Wir lancieren eine Chauffeur-Initiative

Les Routiers Suisses will angemessene Arbeitsbedingungen für Chauffeurinnen und Chauffeure. Dafür lanciert der Verband nun eine Volksinitiative.

Die verschiedenen Versuche, mittels eines Gesamtarbeitsvertrags die Lage der Chauffeure zu verbessern, haben nur teilweise etwas gebracht. Es lässt sich für den Beruf trotzdem nicht genügend Nachwuchs finden. Der Beruf scheint für Einheimische uninteressant. Trotzdem wäre es für die zukünftige Entwicklung des Berufsstandes wichtig, eine gute Basis innerhalb der Schweiz zu haben. Einerseits ergibt sich dadurch eine gewisse Versorgungssicherheit, aber auch Rückhalt bei politischen Entscheidungen. Dies sichert auch den Bestand einer gesunden Transportbranche. Kommt in Zukunft die grosse Mehrheit der Chauffeure noch mehr aus dem Ausland, braucht es bald auch keine Kabotageregelungen und kein einheimisches Transportgewerbe mehr. Neben dem internationalen Transport verliert die Schweiz auf diese Weise auch den Binnentransport. Ausserdem möchten wir nicht wie in England vor leeren Läden und Tankstellen stehen. Die erfahrenen Chauffeure wie auch die jungen interessierten potenziellen Neueinsteiger sehen aber eines: Obwohl der Beruf nach wie vor hochinteressant ist, sind die Anforderungen in den letzten Jahren laufend angestiegen. Kunden sind manchmal heikel, die Digitalisierung hat die Leine verkürzt. Waren früher die Lastwagen unzuverlässig, macht heute der Verkehr Mühe. Die Arbeitsstunden sind sehr hoch und der Lohn hinkt anderen vergleichbaren Berufen hintennach. Zudem besteht in grossen Teilen der Branche das Risiko, dass man durch einen billigen Kollegen aus Osteuropa ersetzt wird. Die Arbeitsbedingungen sollten mit anderen Berufen Schritt halten und langfristig gesichert sein. Der Beruf ist für Neueinsteiger nur interessant, wenn man eine Zukunft hat.

Die Pandemie hat gezeigt: Chauffeure sind systemrelevant und notwendig, damit die Schweiz funktioniert. Das Ansehen der Chauffeure in der Öffentlichkeit ist besser, als lange geglaubt. Die Öffentlichkeit sieht einen Chauffeur je länger je mehr als jemanden an, der sich Mühe gibt, seine Arbeit zu machen, gelegentlich unter Stress steht und manchmal für Probleme geradestehen muss, für die er nichts kann. Unfälle entstehen äusserst selten aus purer Dummheit und oft sind andere mitschuldig. Mit den CZV-Kursen haben viele einiges dazugelernt und wiedergefunden. Das sieht inzwischen auch die Presse. Chauffeure werden auch nicht mehr als Umweltverschmutzer angesehen. Wer seine Arbeit anständig macht, darf stolz in den Spiegel schauen. Die Probleme liegen woanders. Es wird wohl noch länger so sein, dass die Wertschätzung von gewissen Kunden oder Vorgesetzten fehlt. Das Problem sind nicht die Chauffeure und die Öffentlichkeit. Das Problem ist die Art und Weise, wie gewisse Personen bei Kunden und in Betrieben mit Chauffeuren umgehen.

Da bei der ASTAG die Bereitschaft fehlt, Chauffeure vor Billigkonkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zu schützen und nach wie vor jedes Jahr mehr als 3000 neue Chauffeure aus dem Ausland angestellt werden, brauchen wir neue Strategien und Visionen. In den letzten Jahrzehnten haben wir immer wieder gegen etwas gekämpft. Wir haben gegen die LSVA gekämpft, wir haben gegen falsch eingesetzte Treibstoffabgaben gekämpft, wir haben gegen die Verlagerung auf die Bahn gekämpft oder wir haben gegen Abklassierungen von Lastwagen gekämpft. Wir waren immer in der Defensive und haben uns vor den Karren derjenigen spannen lassen, die sich nachher mit dem ungelösten Problem arrangiert haben. Zum einen sollten wir eher für etwas kämpfen und die Verteidigungshaltung aufgeben, zum anderen sollten wir uns vor allem für uns selbst einsetzen. Da wir parteipolitisch neutral sind und unsere Anliegen den Parteien nicht wirklich wichtig sind, müssen wir andere Wege beschreiten.

Wir lancieren eine Volksinitiative zum Schutz des Chauffeur-Berufs. Um Logistik und Landesversorgung auch in schwierigeren Zeiten sicherzustellen, müssen jederzeit genügend Chauffeure zur Verfügung stehen. Wir brauchen sichere Jobs und angemessene Arbeitsbedingungen und Lohn, wir wollen keine Konkurrenz aus dem Ausland und wir wollen eine Aus- und Weiterbildung, die den Berufsstand weiterentwickelt und weiterbringt. Chauffeure arbeiten nicht nur für sich selbst, ihre Kunden und ihren Arbeitgeber. Chauffeure arbeiten auch für die Bevölkerung und leisten einen Dienst für die Wirtschaft. Zudem arbeiten sie jeden Tag in der Öffentlichkeit, für jeden sichtbar und unter der Kontrolle von Behörden. Es reicht nicht, den Ansprüchen von Kunden und Arbeitgebern gerecht zu werden. Auch die Bevölkerung hat grosse Ansprüche. Wer als Chauffeur ein lockeres Leben führen will, gehört nicht dazu. 0,0 Promille und gute Gesundheit sind das eine, Anstand und emotionale Gesundheit das andere. Deshalb gehört der Berufsstand Chauffeur besser geschützt. (David Piras)

Der Entwurf unserer Chauffeurinitiative

Zur Sicherstellung der Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft mit Logistikdienstleistungen sorgt der Bund für eine genügende Anzahl angemessen ausgebildeter Chauffeure. Er trifft dafür folgende Regelungen und Massnahmen:
–Chauffeure, die innerhalb der Schweiz Transporte durchführen, leben und wohnen in der Schweiz oder allenfalls im grenznahen Ausland.
–Die Arbeitsbedingungen und die Entlöhnung von Chauffeuren sind vergleichbar mit anderen handwerklichen Berufen. Für die Entlöhnung wird ein verbindlicher Mindestlohn festgelegt.
–Inlandtransporte mit Fahrzeugen, die im Ausland immatrikuliert sind, sind verboten (Kabotage). Verstösse gegen das Kabotageverbot werden durch den Bund von zentraler Stelle verfolgt. Der Bund hat das Recht, betriebliche Unterlagen, Transportdokumente und Abrechnungen einzusehen sowie Kontrollen vor Ort bei Versendern, Transporteuren, Empfängern und Fahrzeugen auf der Strasse durchzuführen.
–Die Aus- und Weiterbildung ist den Bedürfnissen der Wirtschaft, der Bevölkerung und den Chauffeuren selbst angemessen. Die Ausbildung setzt Prioritäten auf effiziente Arbeitsweise, Verkehrssicherheit. Umweltschutz, schonenden Umgang mit Ressourcen und Verantwortungsbewusstsein. Die Aus- und Weiterbildung findet in der Schweiz statt. Sie wird aus Einnahmen der LSVA finanziert.

Der Bund erhebt statistische Daten, um die Umsetzung dieser Vorschriften zu prüfen. Der Bund erlässt Gesetze und Verordnungen zur Anstellung, zu Arbeitsbedingungen und Ausbildung der Chauffeure sowie zur Umsetzung des Kabotageverbots.

Der Initiativtext kann hier lediglich als Entwurf präsentiert werden. Derzeit laufen Abklärungen mit der Bundeskanzlei und es könnten sich noch Änderungen ergeben. Das Initiativkomitee besteht aus Personen aus dem Chauffeurberuf, es geht um die Interessenvertretung aus dem Beruf und nicht um Parteipolitik. Die Anliegen sind parteipolitisch weder links noch rechts – sie sind von Chauffeuren für Chauffeure. Es ist auch klar, dass eine Volksinitiative ein recht langer Weg ist. Wenn wir aber heute nicht anfangen, wird es in Zukunft nie besser. Die Unterschriftensammlung kann erst bei Einverständnis der Bundeskanzlei gestartet werden. Dies kann bis zum Frühjahr 2022 Zeit benötigen. Sobald die Unterschriftensammlung freigegeben ist, werden wir beginnen und hoffen auf gute Mithilfe. (David Piras)