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19 der 28 Fahrzeuge, die an diesem Treffen teilnahmen, das den jüngsten Lastwagen des Schweizer Herstellers Saurer vorbehalten war.

Wenn sich 6DM und 10DM treffen

Es gibt viele Fans der Saurer 6DM/10DM. Wir besuchten ein Treffen dieser Lastwagen, das im September im Kanton Aargau stattfand.

Die letzten gebauten Saurer-Lastwagen waren die Baureihen 6DM/10DM, die vom damaligen EMD beschafft wurden und bis 1986 als Serie von 1200 Stück abgeliefert wurden. Die damals hochmodernen Fahrzeuge sind nach wie vor geländetauglich und erfreuen sich einer treuen Fanbasis, die sie entweder als Veteranenfahrzeuge erhält oder als Expeditionsmobile nutzt. Roman Porta lebt seinen Traum vom eigenen 6DM ebenso und organisiert dazu mit seinen Helfern ein regelmässiges Treffen Gleichgesinnter. Um noch etwas mehr Abwechslung in den kantigen Alltag der 6DM/10DM-Besitzer zu bringen, sind auch die bekannten D330 6×4 Muki ans Treffen eingeladen.

Das Treffen 2019 war ein voller Erfolg und man entschloss sich, das Treffen zu wiederholen. 2020 kam dann die Pandemie dazwischen, sodass sich potenzielle Teilnehmer umso mehr auf die Durchführung im Jahr 2021 freuten. Das Treffen fand dieses Jahr bei der «Röschti-Farm» Bözenegg bei Schinznach unmittelbar vor dem Tunnelportal des Bözbergtunnels statt. Rund 100 Interessierte mit total 28 Fahrzeugen liessen sich vom thematisch eingeschränkten Treffen anlocken und erfreuten sich der meist noch immer militärgrünen Fahrzeuge in unterschiedlichen Zuständen. So sind die einen Fahrzeuge nach ihrer militärischen Karriere von Enthusiasten restauriert worden. Andere wiederum werden von freiheitsliebenden Geistern beschafft, um damit die entlegensten Regionen der Welt zu erkunden. Schliesslich handelt es sich um bewährte Technik, die relativ anspruchslos ist. Vor allem stört sich der Motor nicht so schnell an mangelhaftem Diesel, wie dies bei einem Euro-VI-Aggregat der Fall wäre.

Die 6DM/10DM-Serie wurde mit verschiedenen Aufbauten versehen, die teilweise auch den Weg ins Zivilleben fanden. Daher konnte auch ein interessantes Rahmenprogramm angeboten werden. Nachdem sich die Teilnehmer eingefunden hatten, wurde als Erstes eine Vorführung eines 10DM mit Gottwald-Kran gemacht. Nach dem schmackhaften, typisch schweizerischen Mittagessen in der «Röschti-Farm» gab es eine Vorführung des Löschwagens 88, der vom Schweizerischen Feuerwehrfahrzeugaufbauer Brändle als Flug-platzlöschfahrzeug aufgebaut worden war.

Schon kurze Zeit später wurde wiederum mit dem Gottwald-Kran ein 6DM auf einen Rollschemmel geladen, sodass er behelfsmässig abgeschleppt werden konnte. Nun war es schon wieder Zeit, um Adieu zu sagen, da die Teilnehmer teilweise einen langen Heimweg hatten. (Erich Urweider)

Eine Bestellung von 1200 Lastwagen im Gesamtwert von 440 Millionen Franken

Saurer entwickelte die Baureihe der geländegängigen Militär-Lastwagen ohne konkreten Auftrag. Die Baureihen 6DM/10DM bestehen hauptsächlich aus bekannten Teilen, versehen mit einem geländegängigen Chassis und einer Kabine, welche den Anforderungen der NATO entsprach. Vier Prototypen wurden der Armee 1978 zur Erprobung zur Verfügung gestellt. Parallel gab es auch Prototypen von Steyr aus Österreich. 1980 wurde die Baureihe am Salon in Genf erstmals der Bevölkerung vorgestellt. Die Armeeerprobung bestanden die Prototypen mit Bravour und im Rüstungsprogramm 1982 schlug der Bundesrat vor, 400 Saurer zu beschaffen, obwohl der Auftrag mit einem Wert von 160 Mio. Franken 20 Mio. teurer war als die Offerte des österreichischen Konkurrenten Steyr. Nun war allerdings das eidgenössische Militärdepartement (EMD) nicht damit einverstanden und es wurde empfohlen, gleich 1200 Fahrzeuge zu beschaffen, damit später die Truppe keinen gemischten Fuhrpark haben würde. Die Einstellung der Fahrzeugproduktion bei Saurer war zu der Zeit bereits beschlossene Sache. Mit der vergrösserten Beschaffung liessen sich einige Arbeitsplätze so noch etwas länger erhalten. Nach langen und zähen Verhandlungen im Parlament wurde Saurer mit der Lieferung von total 1200 Fahrzeugen in einem Gesamtwert von 440 Mio. Franken beauftragt. Die Fahrzeuge sollten bis 1988 geliefert werden. Kurz nach Vertragsabschluss gelangte wiederum Saurer an die Gruppe für Rüstungsdienste (GRD) mit der Bitte, den Vertrag schon 1986 abschliessen zu dürfen, da die neu gegründete NAW möglichst rasch alle Werkskapazitäten erhalten sollte. Vom 6DM (Lastw 6t gl) wurden total 800 Fahrzeuge beschafft, 550 ohne Seilspill und 250 mit. Der 10DM (Lastw 10t gl) bringt es auf total 400 Fahrzeuge, davon 100 mit Seilspill und 200 ohne. Dazu gab es 100 10DM als Kranwagen mit Seilspill (Kranw Autokran 10t) mit einem 75mt-Aufbaukran von Gottwald. (E. U.)

Aus der Nähe gesehen: Ein Saurer 6DM mit Wasserwerfer bei einer Vorführung.
Dieser Blick von oben zeigt die Reichweite des Wasserwerfers.
Die Saurer 10DM 6×6 sind heute als robuste und zuverlässige Expeditionsfahrzeuge sehr beliebt.
Mehrere D330 waren auch dort. Rechts ein D330 mit Rochat-Kipper.
Hier fallen die fehlende Plane sowie der Wimpel von Les Routiers Suisses auf.
19 der 28 Fahrzeuge, die an diesem Treffen teilnahmen, das den jüngsten Lastwagen des Schweizer Herstellers Saurer vorbehalten war.