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Auf einem Bauernhof: Simon Bieri hat einem Landwirt Diesel gebracht. Er ist gerne in ländlichen Gebieten unterwegs.

«Truckerromantik gibts noch»

Simon Bieri (19) aus Dotzigen im Berner Seeland hat dieses Jahr die Lehre zum Strassentransportfachmann erfolgreich abgeschlossen. Jetzt fährt er für seinen Lehrbetrieb Brenn- und Treibstoffe und erlebt herausfordernde, aber auch sehr schöne Momente. Beide gefallen ihm und machen für ihn den Chauffeurberuf aus.

Im beschaulichen Bundkofen, das zur Gemeinde Schüpfen BE gehört, ist um 5 Uhr schon einiges los. Bei der Transportfirma Bergundthal gehen bei den meisten Tankwagen die Lichter an. In einem davon setzt sich Simon «Simu» Bieri hinter das Lenkrad, nachdem er einen Rundgang ums Fahrzeug gemacht hat, um es vor der Abfahrt zu kontrollieren. Die drei Kammern des Tankfahrzeugs sind noch leer. Erst im nahegelegenen Zollikofen füllt er Diesel in die Tanks. Dann geht es Richtung Freiburg, oder präziser: in den Sensebezirk.

Dort, ausserhalb der kleinen Gemeinde Brünisried, liefert Simu Bieri Diesel an einen Landwirt. «Viele der Kunden kenne ich», sagt er. «Das ist ein grosser Vorteil. Denn vor allem die Bauernhöfe sind manchmal sehr abgelegen, sodass manchmal nicht mal das Navi helfen würde.» Bald ist der Tank auf dem Hof voll, und Bieri fährt weiter nach Plaffeien. Dort ist es ein Gartenbauunternehmen, dessen Tank bald leer ist. Der Stutzen befindet sich auf dem Vorplatz der Firma unter einem Schachtdeckel. Der junge Chauffeur öffnet ihn und platziert regelkonform das Brandgefahr-Signal. Dann lässt er fast 20 000 Liter Diesel in den unterirdischen Tank fliessen. Bald werden zwei Lastwagen und diverse Baumaschinen für ihren täglichen Einsatz damit befüllt werden.

Diesel für Maschinen braucht es auch auf einer Baustelle, die sich ebenfalls im Sensebezirk befindet. Dort werden bald Steinbrecher zum Einsatz kommen. Der Chef des verantwortlichen Bauunternehmens hat bereits einen grosen Tank bereitgestellt, den Bieri füllt. Dabei wechseln sie auch noch ein paar Worte. «Ich kenne ihn schon lange», sagt Bieri. Der Kontakt mit den Kunden mache seine Arbeit spannend. Viele Leute kenne er schon, aber es kämen auch immer wieder neue Menschen dazu.

Der Diesel, den er am Morgen geladen hatte, ist nun verteilt. Nachschub ist gefragt. Dafür macht sich Simon Bieri auf den Weg nach Cressier im Kanton Neuenburg. Dort steht die einzige Erdölraffinerie der Schweiz, die noch in Betrieb ist. «Ich werde nun vor allem Heizöl und noch etwas Diesel laden», erklärt er. Vor dem Raffineriegelände steht eine kleine Hütte. Darin hat es Terminals und Telefone, womit man sich per Code oder Telefon anmelden kann. Dann geht es aufs Gelände zum Laden. «Manchmal geht es lange, weil noch viele andere Tankwagen anstehen», sagt Bieri. Diesmal geht es aber eher schnell, bis er mit gefüllten Kammern wieder vom Gelände fahren kann.

Manchmal gibt es Hühnerhaut

Der Berner Jura und das Seeland inklusive Biel stehen nun auf dem Programm des jungen Chauffeurs, der mit seinem Tankwagen hauptsächlich in der Westschweiz, im Wallis, Jura, Simmental und Saanenland unterwegs ist. Auf einer ansteigenden Strasse, von der man einen schönen Ausblick auf den Bielersee und die St. Petersinsel hat, beginnt Simon Bieri von seinem Beruf zu schwärmen. «Hier war ich auch schon bei Sonnenaufgang unterwegs», erzählt er. «Das war eine unglaublich schöne Stimmung. Solche Hühnerhautmomente erlebt man als Chauffeur, wenn man nicht nur auf den Hauptrouten unterwegs ist, wo sehr viel Verkehr herrscht.» Und immer, wenn er solche Momente erlebe, komme er zum Schluss: «Truckerromantik gibts noch. Morgensonne, eine schöne Landschaft, Sonnenbrille auf und gute Musik.»

In Corgémont im Berner Jura kommt dann wieder die herausfordernde Seite seines Berufs zum Vorschein. Das Haus der Kundin liegt an der Hauptstrasse, und um den Tank zu erreichen, muss er mit dem Schlauch zuerst eine Treppe hinuntersteigen, um eine Ecke und dann bis zum Schluss eines langen Korridors gehen, bis er den Tankraum erreicht. Das erfordert Geschick und Muskelkraft. Auch das Fahren sei, wenn man nicht einfach von Rampe zu Rampe fahre, eine Herausforderung, sagt er. Genau diese Herausforderungen gefallen ihm an seinem Beruf: «Man muss die Probleme ohne fremde Hilfe lösen. Auch in Wohngebieten, wo es schon für Autos fast zu eng ist.»

Nach einigen Ein- und Mehrfamilienhäusern in der Region Biel steht zum Abschluss noch ein abgelegener Bauernhof in Romont BE auf dem Programm. Zur Landwirtschaft hat Simon Bieri einen engen Bezug. «Für mich ist es ein Hobby, ich helfe in der Freizeit oft bei einem Lohnunternehmer mit, fahre dort zum Beispiel mit dem Traktor Zuckerrüben», sagt er. Landwirt wäre für ihn auch eine berufliche Option gewesen, ohne eigenen Betrieb in der Familie aber schwierig. Dafür sei sein Vater Chauffeur gewesen, und der Onkel auch. «Das hat mich geprägt», sagt er. «Ich bin früher oft mitgefahren.»

Der Dieseltank auf dem Hof in Romont ist voll. Simon Bieri macht sich auf den Weg zurück nach Schüpfen – nach einem weiteren erfüllenden Arbeitstag. (Daniel von Känel)

Der Arbeitgeber

Die Bergundthal Transporte AG in Schüpfen BE wurde 1927 gegründet. Heute führt die dritte Generation den Familienbetrieb. Das Unternehmen fährt Brenn- und Treibstoffe (vor allem für Agrola) sowie Stückgut (vor allem für Hauert Dünger). Den grössten Teil der Flotte machen aber die Tankwagen aus. (dvk)

Der Chauffeur

Simon Bieri (19) ist im Berner Seeland in Dotzigen aufgewachsen und wohnt immer noch dort. Er absolvierte die Lehre zum Strassentransportfachmann bei der Bergundthal Transporte AG in Schüpfen BE. Der Lehrbetrieb ist sein Arbeitgeber geblieben. «Sie schauen gut zu den Chauffeuren», sagt er. (dvk)

Erste Station: Simon Bieri füllt seinen Tankwagen mit Diesel. Handschuhe sind Pflicht.
Beim Kunden: Der junge Chauffeur gibt die bestellte Menge Diesel ein.
Ein Dieseltank für Traktoren wird gefüllt.
Bei diesem Unternehmen ist der Tank im Boden. Das Brandgefahr-Signal ist Pflicht.
Muskelkraft: Simon Bieri muss auch zupacken, wenn er mit dem Tankwagen unterwegs ist.
Nachschub holen bei der Raffinerie Cressier.
Simon Bieri liefert auch auf Baustellen.
Auf einem Bauernhof: Simon Bieri hat einem Landwirt Diesel gebracht. Er ist gerne in ländlichen Gebieten unterwegs.