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Markus Odermatt ist sichtlich erfreut am Steuer des Lastwagens «Jo Siffert» von Müller Transporte in Ermensee.

Treffen mit Markus Odermatt, Zentralpräsident der Routiers Suisses

Markus Odermatt, Zentralpräsident der Routiers Suisses, sass während 28 Jahren am Steuer schwerer Lastwagen. Heute fährt er ausschliesslich noch leichte Nutzfahrzeuge, setzte sich aber, auf unsere Bitte hin, hinters Steuer eines Trucks von Müller Transporte.

Nachdem wir bereits den Vizepräsidenten der Routiers Suisses, François Oberson (SWISS CAMION 12/2018) sowie Franz Inauen, Mitglied des Verwaltungsrates der Routiers Suisses (SWISS CAMION 10/2019) vorgestellt haben, schlagen wir Ihnen heute vor, nähere Bekanntschaft mit dem Zentralpräsidenten, Markus Odermatt, zu machen. Markus Odermatt kommt, wie François Oberson auch, nicht aus der Transportwelt, sondern aus der Landwirtschaft. Und, wie François Oberson, wurde er bei einem auf Getränke spezialisierten Unternehmen Lastwagenchauffeur. «Dort blieb ich zwölf Jahre», erklärt uns der am 10. August 1959 in Weggis (LU) geborene und heute in Baar (ZG) wohnhafte Markus Odermatt.

Auslandfahrten

«Nach dieser ersten Erfahrung mit Fahrten ausschliesslich in der Schweiz wechselte ich zu Jans Transporte in Cham (ZG). Dort konnte ich auch Transporte ins Ausland durchführen, insbesondere nach Deutschland, Österreich und Frankreich. Auch dort arbeitete ich während zwölf Jahren», fährt Markus Odermatt fort. Er wäre auch noch länger geblieben, wenn sein Arbeitgeber, altersbedingt, seinen Transportbetrieb nicht geschlossen hätte. «Danach fand ich eine Anstellung in Zug, bei einer Firma, in der ich am kommenden 1. Mai mein 25-jähriges Firmenjubiläum feiern darf», führt der Zentralpräsident der Routiers Suisses, nicht ohne Stolz, weiter aus.

«In dieser Firma, die damalige Landis & Gyr, heute Bouygues, fuhr ich noch während vier Jahren Lastwagen; heute bin ich als Allrounder und Teamleiter Umzüge tätig. Ich kümmere mich sowohl um Aufträge von Vertragsfirmen als auch um Materialtransporte mit einem Lieferwagen, einem VW Crafter», fügt Markus Odermatt an.

Die Berufsinteressen verteidigen

Auch wenn er selber nicht mehr am Steuer eines Lastwagens sitzt, heisst das noch lange nicht, dass er ihm den Rücken zugekehrt hat, ganz im Gegenteil: Nachdem er in der Luzerner Sektion der Routiers Suisses in den Vorstand berufen wurde, alsdann dessen Präsidium übernahm, bekleidet er seit etwas mehr als acht Jahren das Amt des Zentralpräsidenten des Berufsverbandes Les Routiers Suisses. «Diese Tätigkeit verlangt meine Anwesenheit an elf Verwaltungsratssitzungen pro Jahr und wäre mit meiner früheren Tätigkeit als Chauffeur, mit Fahrten ins Ausland, nicht zu vereinbaren», präzisiert Markus Odermatt.

Sein Engagement für die Routiers Suisses ist in gewisser Weise auch ein Dank an diejenigen, die sich vor ihm für die Interessen des Berufsstandes und für eine gute Kameradschaft unter den Fahrern, die Mitglied des Verbandes sind, eingesetzt haben: «Während meiner ersten Jahre in der Luzerner Sektion der Routiers Suisses war ich sehr froh, dort keine Funktion zu übernehmen. Ich war zufrieden, an den Mahlzeiten und an den verschiedenen organisierten Veranstaltungen teilzunehmen. Heute liegt es an mir und meinen Kollegen im Vorstand der Routiers Suisses, einen beträchtlichen Teil unserer Freizeit einem Verband zu widmen, der uns besonders am Herzen liegt. Aber: Ohne verständnisvolle Partnerin zur Seite ist jede Vorstandsarbeit schwerlich zu bewältigen.»

Einen Teil seiner Freizeit widmete Markus Odermatt, zusammen mit seiner Gattin Eveline, Motorradausfahrten, beide am Lenker ihrer eigenen Motorräder. Heute ist sein Haupthobby das Briefmarkensammeln. Seine Sammlung umfasst rund 65 000 Briefmarken, verteilt auf 150 Alben. Sammelt er auch Briefmarken mit Lastwagen-Motiven? «Nicht gezielt», meint er. «Es hat einige in meiner Sammlung, aber ich bin nicht Themen-Sammler. Ich sammle Briefmarken aus allen Ländern, angefangen bei A wie Albanien bis Z wie Zimbabwe. Bei diesem Hobby kann ich in eine andere Welt eintauchen und alles andere ausschalten.»

Diese Leidenschaft benötigt weniger Platz als jene von Franz Müller, dem Patron des Luzerner Unternehmens Müller Transporte, der sowohl die massstabgetreuen Modelle seiner prunkvoll dekorierten Trucks als auch die Pokale sammelt, die er an den verschiedenen Anlässen, an denen er teilgenommen hat, gewann. Seine grünen Trucks waren übrigens Gegenstand zahlreicher Presseartikel in ganz Europa. Allen voran seine Lastwagen «Abba», «Muhammed Ali» oder «Jo Siffert». Letzteren stellte er uns fürs Fotoshooting zur Verfügung.

«Ein fantastisches Fahrzeug»

Es ging natürlich nicht an, den Zentralpräsidenten der Routiers Suisses am Steuer des VW Crafter seines Arbeitgebers zu verewigen. SWISS CAMION ist bekanntlich in erster Linie das Fachmagazin des Lastwagenchauffeurs, Grund also, ihn in der Kabine eines echten Trucks, die während vieler Jahre ja auch sein zweites Zuhause war, zu fotografieren. Nachdem unsere Reportage ganz kurz nach den Gedenkfeiern zum 50. Todestag von Jo Siffert stattfand, drängte sich die Wahl des Camions nachgerade auf. «Das ist ein fantastisches Fahrzeug. Und in der Schweiz ist der Bekanntheitsgrad von Jo Siffert kaum geringer als derjenige von Wilhelm Tell», hält Markus Odermatt bewundernd fest. (Laurent Missbauer)

«Dem Chauffeurberuf muss unbedingt mehr Respekt entgegengebracht werden»

Unser Fotoshooting mit Markus Odermatt fand statt, kurz nachdem die Presse den Chauffeurmangel, der Grossbritannien praktisch lahmgelegt hat, ausführlich kommentiert hatte. Könnte sich das auch in der Schweiz ereignen? Was muss getan werden, um den Beruf des Chauffeurs attraktiver zu machen und den Fahrermangel, der viele Länder betrifft, zu bewältigen? «Diese Frage wird mir oftmals gestellt», räumt Markus Odermatt ein. «Meine Arbeit als Zentralpräsident beschränkt sich nicht darauf, im Vorstand der Routiers Suisses zu sitzen, die Rechnungen des Verbands zu prüfen und zahlreiche E-Mails und Telefone zu beantworten, wovon viele genau im Zusammenhang mit solchen Fragen zur Attraktivität des Berufs stehen. Damit sich auch weiterhin junge Menschen für den Chauffeurberuf entscheiden, müssen meiner Meinung nach die vier folgenden Bedingungen erfüllt sein: gesunde Unternehmen, ein gutes Arbeitsklima, ein interessanter Lohn und ein tauglicher Fahrzeugpark. Der Lohn ist natürlich sehr wichtig, und die Routiers Suisses kämpfen seit Langem dafür, dass endlich eine landesweit verbindliche Vereinbarung zustande kommt. Aber das allein reicht nicht, um den Chauffeurmangel zu beheben.» Gegenüber Markus Odermatt sitzt Franz Müller (Foto), Patron der Müller Transporte in Ermensee (LU), der diese Ansicht teilt. Er ergänzt: «Ganz sicher ist der Lohn wichtig. Aber der Respekt, der dem Chauffeur entgegengebracht wird, ist es genauso. Leider wird dieser Respekt immer seltener. Gerade bei Grossverteilern, die an allen Fronten Geld sparen und wo der Chauffeur seinen Camion selber entladen muss, kommt es oft zu langen Verzögerungen und die Attraktivität des Chauffeurberufs wird untergraben. Dies muss sich ändern, und die Transportunternehmer müssen bei den Grossverteilern intervenieren. In erster Linie müssen die grossen Transportunternehmen mobilisieren, denn ich, mit meinem Familien-KMU mit zehn Lastwagen, habe zu wenig Gewicht, um etwas ausrichten zu können.» (L. M.)

«In der Schweiz ist der Bekanntheitsgrad von Jo Siffert kaum geringer als derjenige von Wilhelm Tell», meint Markus Odermatt.
Ohne Sicherheitsgurt, da Markus Odermatt lediglich auf dem Betriebsareal von Müller Transporte manövriert.
Markus Odermatt kam die Ehre zu, an der Delegiertenversammlung 2018 der Routiers Suisses Bundesrätin Doris Leuthard, damals Transportministerin, zu empfangen.
Markus Odermatt ist sichtlich erfreut am Steuer des Lastwagens «Jo Siffert» von Müller Transporte in Ermensee.