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In zehn Sprachen: Inländische Chauffeure waren wohl nicht der Grund, dass diese grossen Schilder nötig geworden sind.

«Situation ist sehr schwierig»

«Das Übernachten in Fahrzeugen ist verboten», heisst es in zehn Sprachen auf grossen Schildern in einem Industriegebiet von Regensdorf ZH. Die Regeln für die Nutzung der Lastwagenparkplätze entsprechen zwar dem Polizeireglement der Gemeinde. Für ein Routiers-Mitglied aus der Westschweiz zeigt es trotzdem die schwierige Situation für Schweizer Chauffeure.

Meistens ist Routiers-Mitglied Dylan Langel von Montag bis Freitag mit dem Lastwagen unterwegs. Er gehört zu jenen Chauffeuren, die oft auswärts übernachten. Als der Westschweizer kürzlich in Dielsdorf im Zürcher Unterland den letzten Posten an jenem Tag erledigen wollte, hatte der Kunde bereits geschlossen. «Ich wollte deshalb in der Nähe übernachten», erklärt er. Im nahe gelegenen Regensdorf gibt es öffentliche Lastwagenparkplätze, wie er erfahren hatte. An der Spittelhölzli- und an der Bahnstrasse im Industriegebiet sind diese auch so ausgewiesen. Um den Lastwagen über Nacht stehen zu lassen, braucht es eine Bewilligung, so sieht es das Parkierungsreglement der Gemeinde vor und so steht es unter dem blauen Parkplatzschild. An verschiedenen Orten in diesem Gebiet hat Langel aber noch andere Schilder entdeckt. Sie haben Plakatgrösse und weisen überdeutlich darauf hin, dass man nicht in den Fahrzeugen übernachten darf. «Es ist sehr schwierig, in der Region einen Platz zu finden, um den Lastwagen zu parkieren und zu übernachten», sagt der Chauffeur. Es gebe Regionen, da könne er in ein Routiers-Relais gehen, aber solche habe es in der Region Zürich zu wenige. Hinzu kommt eine weitere, längst bekannte Problematik: Die wenigen offiziellen Standplätze wie zum Beispiel bei der Raststätte in Würenlos, die ja vor den Toren des Grossraums Zürich liegt, sind oft von ausländischen Lastwagen besetzt. «Nach 16 oder 17 Uhr findet man dort keinen Platz mehr», sagt Langel.

Es gab Abfallprobleme

Die Sicherheitsabteilung der Gemeinde Regensdorf hält auf Anfrage fest, dass Campieren auf dem ganzen öffentlichen Gemeindegebiet verboten ist. Die grossen Schilder an der Spittelhölzli- und an der Bahnstrasse seien vor zwei bis drei Jahren aufgestellt worden. Gemäss Polizei hat es Probleme mit Chauffeuren gegeben, die ihren Abfall liegen gelassen und ihr «Geschäft» im Freien erledigt hatten. Neben dem Übernachtungsverbot in neun Sprachen sind deshalb auch unmissverständliche Piktogramme auf der Tafel angebracht, die auf in der Schweiz überall gültige Regeln hinweisen.

Auf Gemeindegebiet gibt es keine Alternativen, die Gemeinde geht davon aus, dass Chauffeure auf den offiziellen Parkplätzen auf Raststätten im Fahrzeug übernachten können, auch der Parkplatz Büsisee sei nicht weit entfernt.

Dass Gemeinden diese Haltung haben, ist einerseits verständlich. Auf dem Papier ist es schliesslich so vorgesehen. Dass die Probleme mit den hauptsächlich aus dem Osten Europas stammenden Chauffeuren auch auf Raststätten bestehen, dafür interessieren sich auch in der nationalen Politik höchstens kleine Kreise. Andererseits sind viele Kommunen bemüht, Industrie und damit Arbeitsplätze und Steuerzahler anzuziehen. Dazu gehört auch der Lastwagenverkehr, ohne den es keine Industrie geben würde. Aber die Möglichkeiten für Schweizer Chauffeure, die wegen der ARV oder des Nachtfahrverbots übernachten müssen oder ohnehin wochenweise unterwegs sind, werden immer eingeschränkter. Diese Problematik muss zwingend in die Raum- und Siedlungsentwicklungspolitik Einzug halten. (Daniel von Känel)

Immerhin hat es Parkplätze für Lastwagen, auch wenn das Übernachten im Lkw verboten ist.
In zehn Sprachen: Inländische Chauffeure waren wohl nicht der Grund, dass diese grossen Schilder nötig geworden sind.