Foto

Zahlreiche Zuschauer: hier bei der Ankunft des Konvois zum Anlass «75 Jahre Unimog» in Gaggenau, an dem auch Karin Rådström anwesend war, die neue Chefin von Mercedes-Benz Trucks (kleines Bild).

Seit 75 Jahren erfreut sich der Unimog grösster Beliebtheit

Wie der Citroën 2CV oder der Jeep ist auch der Unimog ein Fahrzeug, das schon immer äusserst beliebt war. Das war auch anlässlich der Veranstaltung zu seinem 75. Geburtstag am 3. September festzustellen. Natürlich war auch Karin Rådström anwesend, die frischgebackene Chefin von Mercedes-Benz Trucks.

Der allererste Unimog verliess 1946 die Produktionshallen des Unternehmens Boehringer in Göppingen südöstlich von Stuttgart. Das Allradfahrzeug – halb Traktor, halb Lastwagen – verkaufte sich sofort sehr erfolgreich, auch in der Schweiz (siehe Kasten unten). So erfolgreich sogar, dass Boehringer allein die Nachfrage nicht mehr stillen konnte. Eine Serienproduktion, die den Namen auch verdient, konnte erst ab 1951 sichergestellt werden, als der Unimog bei Mercedes-Benz zusammengeschraubt wurde. Die Firma mit dem Stern baute ihn zuerst in Gaggenau, wo sich heute das Unimog-Museum befindet, danach in Wörth bei Karlsruhe. Der Geburtstags-Korso zum 75. setzte sich demzufolge auch aus 75 Unimogs zusammen, die von Wörth aus die 40 Kilometer bis Gaggenau am Nordwestabhang des Schwarzwaldes unter die Räder nahmen.

Über 400 000 Unimogs in 75 Jahren

Innerhalb der letzten 75 Jahre sind über 400 000 Unimogs gebaut worden. Die ältesten von ihnen werden regelrecht verhätschelt, so etwa der Prototyp U5 von 1948. Er ist wohl der älteste Prototyp, der noch zu fahren imstande ist. Er ist seit etwas mehr als 40 Jahren im Besitz des DLM, des Deutschen Landwirtschaftsmuseums in Hohenheim. 2001 wurde er aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums des Werks in Gaggenau «nach mehr als 400 Stunden der Restaurierung» in seinen Originalzustand versetzt.

Und genau dieser U5 hatte die Ehre, die Kolonne anzuführen und als erster vor dem Museum in Gaggenau vorzufahren, wo ihm zahlreiche geladene Gäste applaudierten, unter ihnen die Schwedin Karin Rådström, die seit dem 2. Februar dieses Jahres an der Spitze von Mercedes-Benz Trucks steht. Sie war zuletzt verantwortlich für den Verkauf und das Marketing bei Scania und damit Vorstandsmitglied des schwedischen Nutzfahrzeugbauers. Karin Rådström trat bei Mercedes-Benz Trucks die Nachfolge von Stefan Buchner an, der Ende letzten Jahres in den Ruhestand ging. Sie war sichtlich angetan davon, am 75. Jahrestag eines der beliebtesten Fahrzeuge der Marke mit dem Stern zugegen sein zu können. Seine Popularität zeigt sich auch durch den Unimog Club Gaggenau, der 7500 Mitglieder in 45 Ländern zählt. Er ist deshalb auch einer der wichtigsten offiziellen Clubs unter den Fittichen des «Mercedes-Benz Classic Management».

Das Unimog-Museum wurde am 3. Juni 2006 eröffnet, genau 55 Jahre, nachdem am 3. Juni 1951 der erste Unimog U 2010 im Mercedes-Benz-Werk in Gaggenau vom Band rollte. Es zählt über 1000 Mitglieder und zahlreiche freiwillige Helfer, unter ihnen etwa Claudio Lazzarini. Der Churer Jurist war einer der zwölf Gründer des Unimog Clubs Schweiz, der heute etwa 250 Mitglieder hat. Selbstredend besitzt Claudio Lazzarini mehrere Unimogs, darunter einen der ersten, die Mercedes-Benz je gebaut hat – einen Typ 2010 von 1955. Er steuerte aber einen 421 (Baujahr 1984), übrigens regelmässig, von Chur nach Gaggenau, wofür er etwa acht Stunden braucht. Sein Unimog 421 ist ein eher ungewöhnliches Modell mit dem langen Radstand von 2900 Millimetern, weshalb er auch über eine Doppelkabine verfügt. Angetrieben wird er nicht von dem üblichen Saugmotor mit 60 PS, sondern von einem aufgeladenen mit 95 PS. (Laurent Missbauer)

Der erste zivile Schweizer Unimog auf der Grande-Dixence-Baustelle

Unser Land trug viel zum Aufschwung des Unimogs bei. Zwei Schautafeln im Unimog-Museum in Gaggenau zeigen, dass der Zürcher Eduard Hof, der in der Schweiz seit 1930 eine Boehringer-Werkzeugmaschinenvertretung betrieb, dabei eine wesentliche Rolle spielte. Sobald er erfuhr, dass 1949 die ersten Unimog-Prototypen im Boehringer-Werk in Göppingen gebaut wurden, war er fest überzeugt, dass dies das ideale Fahrzeug für unsere Berglandschaft wäre. Er sorgte umgehend dafür, dass im März 1950 potenziellen Schweizer Kunden zwei Unimogs präsentiert wurden. Die Armee bestellte gleich vier, um sie ausgiebig zu testen. Sie erwiesen sich als geeignet, was eine erste grosse Bestellung von 250 Unimogs nach sich zog. Wenig später orderte sie noch einmal 600! Auch zivile Kunden zögerten nicht lange: Das Unternehmen Losinger bestellte vier Unimogs, die im Wallis auf der Baustelle des Grande-Dixence-Damms eingesetzt wurden (rechts), damals eines der grössten Staudämme weltweit. Auch die autofreie Bettmeralp im Oberwallis schaffte einen Unimog an – als Kehrichtsammler. Ein Foto seines Transportes mit der Luftseilbahn (links, unter der Schweizer Fahne) wurde weltberühmt. Inzwischen hatten und haben noch praktisch alle Gemeinden der Schweiz Unimogs in ihrer Fahrzeugflotte. (L. M.)

Mitbegründer des Unimog Clubs Schweiz.
Zum 75. Geburtstag: Im Konvoi befanden sich auch mehrere neuere Unimog-Varianten.
Unimog-Museum Gaggenau: Es zeigt auch mehrere in der Schweiz zugelassene Fahrzeuge, wie den 404.1 der Armee (1962). Sie bestellte zwischen 1956 und 1977 insgesamt 2924 Unimogs dieses Typs.
Gewisse Familienähnlichkeit: 70 Jahre liegen zwischen diesen beiden Unimogs.
Personentransport: Auch dafür eignen sich Unimogs. Links unten eine australische Variante.
Der älteste rollt noch: Dieser Unimog, ein U5-Prototyp, wurde 2001 restauriert.
Zahlreiche Zuschauer: hier bei der Ankunft des Konvois zum Anlass «75 Jahre Unimog» in Gaggenau, an dem auch Karin Rådström anwesend war, die neue Chefin von Mercedes-Benz Trucks (kleines Bild).