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Fest im Zelt: Zu den vielen Gästen gehörten auch über 400 Routiers-Senioren – hier beim Einmarsch von 26 Sektionsfähnrichen mit ihren Fahnen.

«Noch voll im Saft»

Die Party der Routiers Suisses zum 60. Geburtstag hatte alle wesentlichen Zutaten, die einen solchen Anlass gelingen lassen: Wetter, Sponsoren, Attraktionen, Redner, Verpflegung, rund 20 000 Besucher und Gäste, und, vor allem, den unermüdlichen Einsatz der rund 300 freiwilligen Helfer.

Ein Vergleich mit dem Alpnach-Fest von 2003 oder mit der «Trucker-Meile» in Interlaken drängte sich nicht auf: Das Routiers-Fest 2017 in Alpnach, nun schon wieder Geschichte, hatte seinen ureigenen Charakter. So werden es die etwa 20 000 Besucher wohl auch in Erinnerung behalten. Es war ein typisches Routiers-Fest, geprägt von Begegnungen, vom Wiedersehen, vom Austausch alter und neuer Geschichten, von der Freude am Feiern. Selbst das Gymkhana, traditioneller Routiers-Sport, lebte wieder auf, das allerdings mit vielen anderen Aktivitäten zu wetteifern hatte. Aber genau das zeichnete das Fest aus: Gegensätze, das Zusammentreffen von Alt (437 eingeladene Alt-Routiers) und Jung, von gestern und heute, von traditionell und modern, und auch der Blick auf morgen fehlte nicht. Für die Tradition der Routiers standen die Sektionsfahnen, die von ihren Fähnrichen punkt 14 Uhr (Samstag) in die Festhalle durchs Publikum auf die Bühne getragen wurden.

«Die Routiers sind jetzt 60 Jahre alt, und immer noch voll im Saft», sagte Zentralpräsident Markus Odermatt. All jenen sei zu danken, die den Weg dazu geebnet und Visionen umgesetzt hätten. «Wenn wir zukunftsorientiert weitermachen, wird es uns – trotz zeitweiligem leichten Mitgliederrückgang – in Jahrzehnten immer noch geben, wenn man dann mich – hoffentlich – zu Veteranentreffen einladen wird», meinte er augenzwinkernd und mit Blick auf die nächsten 60 Jahre der Routiers Suisses. «Herausforderungen», so Generalsekretär David Piras, «gab es früher schon. Aber wir haben uns immer schon hohe Ziele gesetzt, und wir haben immer etwas erreicht. Darum haben wir uns ein solches Fest auch verdient. Aber am Montag arbeiten wir an den bekannten Themen weiter. Denn: Als Verband geht uns die Arbeit nie aus.»

Gastredner Werner Jeger (Astra) sprach über die Zukunft des Berufschauffeurs aus der Sicht des Astra: Der Verkehr werde künftig immer anspruchsvoller. Der Eindruck, der Chauffeur der Zukunft sei angesichts der zunehmenden Automatisierung nicht mehr König der Landstrasse, sondern nur noch «Knöpflidrücker», sei falsch. «Wenn ich in die Kristallkugel schaue, sehe ich diesen Knöpflidrücker nicht. Die Fahreraufgaben werden sich aber ändern – bestimmt von der Computertechnik. Der Chauffeur trage aber nach wie vor die Verantwortung. Das Strassenverkehrsrecht müsse  dem technischen Wandel angepasst werden, «davon versprechen wir uns mehr Sicherheit auf der Strasse. Nach 2020 können wohl Fahrzeuge, vor allem schwere Nutzfahrzeuge, nur beschränkt autonom unterwegs sein, etwa im öV. 2030 dann wollen wir die Zahl der Unfallopfer auf 100 senken (von heute 219), und das ist nur durch Automatisierung möglich», ist er überzeugt.

Auch Joseph Jäger in seiner Eigenschaft als Astag-Vizepräsident sprach den Wandel und die Veränderungen an, denen der Fahrerberuf und die gesamte Transportbranche unterworfen sind: «Der Arbeitsplatz einheimischer Chauffeure im Umfeld von Grenzgängern und Neueinwanderern» lautete sein Thema. Grenzgänger in den Räumen Tessin, Genf, Basel und Schaffhausen erwiesen sich für den Schweizer Chauffeur zum Nachteil, Neuzuwanderer aus anderen Ländern kennen oft weder Gesetze noch die Sprache und das Land. «In der Schweiz kann man die CZV-Ausbildung nicht für 20 Euro kaufen.» Dennoch bleibe es eine Versuchung für Unternehmen, Billigfahrer einzustellen. «Doch die Versuche, die ich kenne, sind gescheitert, wenn auch Ausnahmen die Regel bestätigen.» Denn Billigfahrer könnten oft weder die Qualität noch die Zuverlässigkeit noch den Service bieten, den der Kunde verlange. «Sorgen macht uns auch die Unterwanderung des Wettbewerbs durch Kabotage.» Es liege im gemeinsamen Interesse von Routiers und Astag, dass sie verschärft kontrolliert werde und Verstösse geahndet würden. Jäger verwies auf die weitere gemeinsame Pflege der Sozialpartnerschaft zwischen Les Routiers Suisses und der Astag. «Wir müssen im Dialog bleiben und heikle Themen zusammen anschauen», meinte er abschliessend und wünschte den Routiers «heute ein tolles Fest». (hps)

Verpflegung: gut!

Ein gutes Geburtstagsfest steht und fällt mit der Verpflegung und freundlichem «Personal». Dazu kommen – im Falle des Routiers-Jubiläums – eine Prise Originalität und regionales Flair. All das war in Alpnach gegeben: Bei den Tessinern etwa rührte Francesco Ferraroli höchstselbst das ausgezeichnete Risotto in eisernen Töpfen an (Foto rechts). Der Autor konnte sich beim besten Willen nicht überall durchessen, weshalb möglicherweise nicht alle hier erwähnt sind, die fürs leibliche Wohl sorgten. Natürlich gab es St.-Galler-Bratwürste oder Cervelats vom Grill und zum Dessert konnte man sich Züri-Tirgel zu Gemüte führen. Wer lieber Käse mochte, begegnete in der Meile den originell als Mönchen ausstaffierten Jurassiern, die traditionellen und würzigen «Tête de Moine» vom Leiterwägelchen darreichten (Foto unten). Im grossen Festzelt wirbelten jede Menge gut gelaunter Serviererinnen und Servierer, und in der Küche herrschte voll Aktion. Kurz gesagt: Keiner blieb hungrig oder durstig an diesem Festwochenende. Angesichts der vielen kantonalen bzw. regionalen kulinarischen Besonderheiten der Schweiz hätte sich der geneigte eine oder andere Besucher vielleicht ein paar kulinarische Spezialitäten mehr gewünscht, dargereicht von den dazugehörigen Sektionen – die Routiers sind schliesslich schweizweit aktiv – und so ernteten die, die sich mit ihren Spezialitäten engagiert haben, wohl den alleinigen Ruhm. Egal – dank des Engagements der teilnehmenden Routiers kam das Fest gut. (hps)

Conférencier Sascha Ruefer mit Namenstafel: «Ich bin jetzt einer von euch!»
Markus Odermatt (Zentralpräsident der Routiers Suisses)
Werner Jeger (Astra)
Joseph Jäger (Astag-Vizepräsident)
Fahnenappell: Die schönen Sektionsfahnen (26) machen immer wieder mächtig Eindruck.
Lastwagen-«Meile»: Chauffeure, Importeure, Händler, Oldtimerbesitzer – alle trugen dazu bei.
Alternativ: Schon mal mit einem E-Truck (E-Force) oder einem Brennstoffzellen-Lw (Esoro) gefahren?
Geschicklichkeitsfahren: 74 waren rangiert.
Gymkhana-Sieger (v.l.): Jeremy Hasler (2.), Andy Schuler (1.), für Franco Minikus (3.) Markus Odermatt.
Bei Galliker: Staplerspiele für die Kleinen.
Toter Winkel: anschaulich demonstriert.
Truck-Pulling: 82 Teams spannten sich vor die 7,8 Tonnen Scania, die schnellsten in 24,57 Sekunden.
Fest im Zelt: Zu den vielen Gästen gehörten auch über 400 Routiers-Senioren – hier beim Einmarsch von 26 Sektionsfähnrichen mit ihren Fahnen.