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Das Prinzip: In den Tunnels verkehren rund um die Uhr selbstfahrende, unbemannte Transportfahrzeuge.

Mit Schub auf die Zielgerade

Die Politik hat die gesetzliche Grundlage für das private Projekt Cargo sous terrain (CST) geschaffen. Der unterirdische Gütertransport durch die Schweiz könnte bald Realität werden.

National- und Ständerat haben ihre Differenzen in der Detailgestaltung des Gesetzes über den unterirdischen Gütertransport (UGüTG) ausgeräumt. Nachdem beide Räte das Gesetz schon mit jeweils grosser Mehrheit angenommen hatten, wurden in der Dezembersession noch die letzten Details geklärt. Damit kann die gesetzliche Grundlage für Cargo sous terrain in Kraft treten und die Realisierung des visionären Projekts vorangetrieben werden.

Erste Etappe: Härkingen-Zürich

«Cargo sous terrain ist ein Gesamtlogistiksystem für den flexiblen Transport kleinteiliger Güter», wird das Projekt auf der CST-Webseite beschrieben. «Tunnels verbinden Produktions- und Logistikstandorte mit städtischen Zentren. Oberirdisch verteilt CST die transportierten Güter in umweltschonenden Fahrzeugen und leistet damit einen Beitrag zur Reduktion des Verkehrs und der Lärmemissionen.»

Bis 2045 soll ein 500 Kilometer langes Gesamtnetz zwischen Boden- und Genfersee mit Ablegern nach Basel, Luzern und Thun entstehen. Das System von CST eignet sich für die Versorgung wie auch für die Entsorgung (Abfall, Recycling). Es wird mit Strom betrieben. Dieser werde zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen, gibt CST an.

Die erste Teilstrecke des Netzwerks Cargo sous terrain soll 2031 in Betrieb gehen. Sie führt von Härkingen-Niederbipp nach Zürich und ist rund 70 Kilometer lang. Auf dieser Teilstrecke gibt es 10 Anschlussstellen, sogenannte Hubs. Der Ausbau zu weiteren wichtigen Logistik- und Verteilzentren erfolge sukzessive, sagen die Verantwortlichen. Die Gesamtkosten für den Bau der ersten Teilstrecke sind auf 3 Milliarden Franken veranschlagt – inklusive Software, Hubs sowie unter- und oberirdische Fahrzeuge für die Citylogistik.

Grosse Unternehmen an Bord

Zu den Hauptaktionären von CST gehören unter anderem Coop, Migros, Mobiliar, Post und Swisscom. Auch Logistik- und Transportunternehmen wie Cargo Domizil, Galliker oder Dreier sind beteiligt. Über die gesamte Lebensdauer muss eine Schweizer Eigentümermehrheit an den Anlagen sichergestellt werden. Dies haben National- wie auch Ständerat so festgesetzt.

Angesichts der aggressiven Expansionspolitik Chinas auch nach Europa, mit der die kommunistische Regierung nach Transportinfrastrukturen greift, ist dieser politische Beschluss sehr zu begrüssen. Ein chinesischer Investor hatte tatsächlich Interesse an einer Beteiligung, CST machte aber wegen grösser werdender politischer Vorbehalte gegenüber Investitionen aus China einen Rückzieher. (Daniel von Känel)

Das Prinzip: In den Tunnels verkehren rund um die Uhr selbstfahrende, unbemannte Transportfahrzeuge.