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Einer der Transformatoren, die zur Grimsel gebracht werden sollten: Er war auf dem Gelände von Von Bergen Unterbach stationiert.

Keine Lastwagen, keine Transformatoren für das Kraftwerk Grimsel 2!

Die Bedeutung von Lastwagen ist unbestritten. Oft sind sie sogar unentbehrlich, wie diese Reportage zeigt: Die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) brauchten sie, um Transformatoren zum Kraftwerk Grimsel 2 zu transportieren.

Die Kraftwerke Oberhasli AG investieren regelmässig in ihre Maschinen und Anlagen. Neben dem Neubau der Grimselseestaumauer Spitallamm bekommt das Kraftwerk Grimsel 2 vier neue Maschinentransformatoren. Die in Linz (A) hergestellten Trafos werden von Felbermayr auf der Strasse ins Kraftwerk transportiert.

Antransport mit Tücken

Während ein Transport irgendwo im Mittelland problemlos erfolgen kann und hohe Gewichte meist durch mehr Achsen gemeistert werden, sind die Verhältnisse in den Alpen oft ganz anders. Achslasten wie auch Gesamtzugsgewichte sind ebenso eingeschränkt wie Kombinationslängen, weil irgendwann einfach die Kurvenradien nicht mehr ausreichen. Dazu kommen Bautätigkeiten an den Passstrassen, die im Sommer ausgeführt werden müssen. So gelangen die total vier Trafos jeweils im Zweierkonvoi via Brünig nach Meiringen. Hier werden die Trafos mittels eines Pneukrans auf ein anderes Fahrzeug umgeladen. Die Tiefbettkombination ist zwar für die Autobahn geeignet, aber spätestens in der Aareschlucht ginge es wegen den engen Kurvenradien nicht mehr weiter.

Für die Strecke ab Meiringen via Innertkirchen bis zum Kraftwerk Grimsel 2 wird deshalb eine kürzere und wendigere Kombination, bestehend aus zwei 5-Achs-Plattformanhängern mit aufgebauten Drehschemeln und einer Durchladeträger-Brücke, eingesetzt. Damit der Trafotransport über genügend Power verfügt, werden auf der Etappe Meiringen bis Innertkirchen als Zugfahrzeug ein Mercedes Arocs 8×6 von Felbermayr und als Stossfahrzeug ein Mercedes Actros 6×6 von der Zaugg AG eingesetzt.

Aus Sicherheitsgründen kommt jeweils ab Innertkirchen bis zum Kraftwerk Grimsel 2 noch ein zweites Zugfahrzeug, ein Mercedes Arocs 8×6 der Firma von Bergen, zum Einsatz. Die drei Fahrzeuge bewegen ein Gesamtzugsgewicht von 247 Tonnen. Kurz nach Innertkirchen muss der Transport eine enge Baustelle passieren. Die dortige Brücke wird momentan ersetzt und der Verkehr wird deshalb einspurig geführt. Während 247 Tonnen talwärts ziehen, suchen die Reifen bei Regen Halt, um auf dem nassen und teilweise rutschigen Belag vorwärtszukommen. An gewissen Stellen scheint es, das ganze Tal sei auf den Beinen, um den Transport verfolgen zu können. Wer kann es den Leuten verdenken, normalerweise hat man hier relativ viel Ausflugsverkehr in Form von Motorrädern und Autos. Schwertransporte sind eher die Ausnahme. Zurück zum Transport, der relativ unbehelligt und stetig Höhenmeter um Höhenmeter gewinnt. Nach Guttannen lässt er vermeintlich die Zivilisation hinter sich und kommt endgültig in die karge Gebirgslandschaft, bis die erste Staumauer der Kraftwerke Oberhasli in Sicht kommt. Hier gilt es, rechts abzubiegen um zum Zufahrts-stollen des Kraftwerks Grimsel 2 zu kommen, welcher hier an der Gerstenegg beginnt.

Die Kraftwerkskaverne selber befindet sich unterhalb des Grimselsees. Ab der Einfahrt ist der Weg relativ flach, weshalb auf die zweite Zugmaschine verzichtet wird. So lässt es sich im engen Stollen einfacher einfahren. Ab jetzt geht es mehr um Präzision als um Geschwindigkeit. (Erich Urweider)

Die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO)

13 Kraftwerke mit insgesamt 28 Turbinen produzieren jedes Jahr 2300 Gigawattstunden elektrischen Strom. Mit der Stromproduktion aus Wasserkraft trägt die KWO zu einem stabilen und zuverlässigen Stromnetz in der Schweiz und im Ausland bei – und dies erst noch klimafreundlich, dank Wasserkraft.

Das Kraftwerk Grimsel 2 wurde zwischen 1973 und 1980 gebaut. Es besteht aus vier Maschinengruppen mit je einem Pumpen- und einem Turbinenrad auf der gleichen Welle. Diese zweifache Funktion ist für die KWO sehr wichtig, denn damit kann nicht nur Strom produziert, sondern im Pumpbetrieb auch überschüssige Energie gespeichert werden. So wird Energie verbraucht und das Stromnetz entlastet. Das hochgepumpte Wasser wiederum kann erneut turbiniert werden und wiederum elektrischen Strom erzeugen. (E.U.)

Bevor der Konvoi an Höhe gewann, musste er sich zunächst durch die Aareschlucht schlängeln.
Der Konvoi musste sich mit mehreren Baustellen in den Bergen auseinandersetzen.
Die Durchfahrt durch Guttannen: Es bleibt nicht mehr viel Platz auf beiden Seiten für die Lastwagen.
Der Konvoi ist kurz davor, sein Ziel zu erreichen: …
… jetzt muss er nur noch zum Tunnel gehen und …
… in den Bauch des Bergs verschwinden!
Einer der Transformatoren, die zur Grimsel gebracht werden sollten: Er war auf dem Gelände von Von Bergen Unterbach stationiert.