Flink und leise durch die Stadt

Drei Fuso eCanter sind seit über einem halben Jahr bei Camion Transport im Einsatz. Der kleine Elektrolastwagen ist vorwiegend in der Stadt unterwegs. Dort spielt er seine Stärken voll aus. Dies bewies uns Chauffeur Kol Shtufi auf einer Tagestour.

Der Fuso eCanter von Kol Shtufi steht an der Rampe der Zentralschweizer Niederlassung von Camion Transport in Rothenburg LU. Ein Kabel führt von dort, wo sich bei anderen Fahrzeugen der Tankstutzen befindet, hoch zur Decke, wo ein Teil der Ladevorrichtung installiert ist. Eine Kabelrolle ist zu sehen und ein Licht, das (noch) blau blinkt. «Er ist noch am Laden», sagt Kol Shtufi. «Wenn die Lampe rot leuchtet, ist die Batterie voll.» Während der Akku noch lädt, belädt Kol Shtufi den eCanter mit Stückgut für Kunden in der Stadt Luzern. 2,8 Tonnen Nutzlast darf der Fuso transportieren.

Die Stadt ist ein herausforderndes Terrain

Beinahe lautlos setzt sich der eCanter in Bewegung. «Er hat sehr viel Kraft», schwärmt Kol Shtufi schon auf den ersten Metern seiner Tagestour. «Man muss gut dosieren, denn das Drehmoment aus dem Stand ist sehr hoch.» Die Batterien sind nicht zu 100 Prozent geladen, die Anzeige für die Restreichweite zeigt 89 Kilometer an. Maximal sind es rund 100. Der erste Kunde ist aber nicht weit entfernt, wie die meisten auf dieser Cityroute, hier sind Kurzstrecken angesagt. Bei einer Garage in der Nähe des Kantonsspitals lädt Kol Shtufi Reifen ab. Für das Kantonsspital selbst hat er auch noch eine Lieferung, dafür ist er von der Garage aus lediglich eine Minute unterwegs. «Ich bin in Luzern aufgewachsen», sagt der Chauffeur. «Das kommt mir bei dieser Arbeit sehr entgegen.» Er kenne fast alle Adressen, die er anfahren müsse. «In der Stadt ist es kompliziert, wenn man sich nicht auskennt. Man muss nach Navi fahren und findet den Kunden doch nicht auf Anhieb, weil alles so verwinkelt ist. Da ich in Luzern die meisten Quartierstrassen schon seit meiner Kindheit kenne, komme ich jeweils sehr direkt und schnell ans Ziel.»

Fussgänger hören fast nichts

Bisher waren die Zufahrtsstrassen noch breit, doch nun nähert sich Kol Shtufi immer mehr der Innenstadt. Die Geschäfte, die er ansteuert, liegen nun in engen Gassen, durch die aber noch motorisierter Verkehr fliesst. Dank der kompakten Bauweise des eCanters findet der Chauffeur immer eine Lösung, das Fahrzeug so zu parkieren, dass er abladen und der Verkehr immer noch fliessen kann. In der Luzerner Altstadt spielt der eCanter dann endgültig seine Stärken aus. In den sehr engen Gassen ist er immer noch ohne Platzprobleme unterwegs, Fussgänger und Radfahrer hat der Chauffeur dank der tiefen Kabine gut im Blick. Nicht immer allerdings hören ihn die Fussgänger. Denn: Was für den Chauffeur und die Anwohner sehr angenehm ist, kann zum Sicherheitsproblem werden. Der äusserst leise Elektromotor ist kaum hörbar. Und: In einer Fussgängerzone, wo nur Zulieferer durchfahren dürfen, rechnen flanierende Leute kaum mit einem Lastwagen. Der Chauffeur muss sehr aufmerksam und vorsichtig sein. Kol Shtufi hat zudem seine eigene Methode, auf sich aufmerksam zu machen – auf eine sehr sympathische Art. Er hat am Rückspiegel eine Fahrradklingel angebracht. Betätigt er sie, drehen sich die Fussgänger sofort um, in Erwartung eines Fahrrads. Erblicken sie stattdessen den eCanter sowie das gewinnende Lächeln des Chauffeurs, sind sie nicht nur erstaunt und aufmerksam, sondern erwidern auch meistens das Lächeln. Heikle Situationen lassen sich so ganz unkompliziert im Guten lösen.

Bezüglich der Reichweite wird es auf diesen Cityeinsätzen nie heikel. Allerdings muss der Chauffeur etwas dafür tun. «Ich fahre vorausschauend und bremse oft per Rekuperation», sagt Kol Shtufi. Und: Er plant die Tagestouren jeweils so, dass er rechtzeitig an die Rampe nach Rothenburg kann, um nochmals Strom zu tanken. Dies macht er auch am Tag, an dem wir ihn begleiten. Er hängt den eCanter wieder ans Netz und belädt ihn mit der Fracht für die zweite Tour in die Stadt. Heute hätte die anfängliche Akkuladung für den ganzen Tag genügt. Der Zwischenstopp reichte sogar, um die maximale Reichweite von 100 Kilometern wieder aufzuladen. Lediglich wenn er ein Stück Autobahn fahren müsse, könne es knapp werden, sagt Kol Shtufi. «Auf der Autobahn steigt der Verbrauch stark an», stellt er fest – und ist dabei nicht der erste Chauffeur eines Elektrolastwagens mit dieser Erkenntnis. Bleibt der eCanter in seinem Revier, ist er ein leistungs-fähiger, leiser und wendiger Transporter mit guter Reichweite – am Ende des Arbeitstages meldete die Anzeige nämlich noch eine Reserve von 60 Kilometern. (Daniel von Känel)

«Friendly Work Space»

Als erstes Transport- und Logistikunternehmen in der Schweiz trägt Camion Transport seit 2015 das Label «Friendly Work Space». Nach der ersten Rezertifizierung 2018 fanden kürzlich das zweite erfolgreiche Re-Assessment und die Labelverleihung in Bern statt. Gesunde und zufriedene Mitarbeitende, dies sei ein zentrales Thema für das Unternehmen, teilt Camion Transport mit. (dvk)

Lieferung für das Kantonsspital.
Die Ladestation für die E-Lastwagen.
Der Fuso eCanter ist wie geschaffen für die Auslieferung in der Stadt, wo wenig Platz ist.
An der Rampe wird auch der Akku geladen.
Kol Shtufi hat eine Fahrradklingel montiert.
Steckdose, wo sonst der Tankstutzen ist.
Reichweitenanzeige im Fuso eCanter.
In der Luzerner Altstadt spielt der Fuso eCanter seine Stärken aus.