Die Lohnabrechnung verstehen

Es ist nicht immer einfach, die Lohnabrechnung zu verstehen. Die Rechtsabteilung von Les Routiers Suisses erklärt hier deshalb die wichtigsten Punkte in diesem Dokument, das Arbeitnehmende Monat für Monat erhalten.

Definitionen: Bruttolohn = Lohn vor Abzug. Der Betrag, der im Arbeitsvertrag vorgesehen ist.
Nettolohn = tatsächlich gezahlter Betrag nach Anwendung der Sozialabzüge.

Einkommen

Es kann sich um einen Stunden- oder Monatslohn handeln. Die Stundenvergütung erfolgt zu einem dafür im Arbeitsvertrag festgelegten Tarif. Auf der Lohnabrechnung müssen die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden, der Zeitraum sowie der Stundenansatz und der tatsächliche Bruttolohn, den wir für diesen Zeitraum verdienen, angegeben sein. Hinzu kommen die verschiedenen Zulagen (Essenskosten, Reisekosten, Übernachtungskosten etc.). Wenn Sie Kinder haben, wird Ihnen der Arbeitgeber gleichzeitig mit Ihrem Lohn die Kinderzulagen auszahlen. Das Bundesgesetz schreibt folgende Mindestbeiträge vor:
– CHF 200.–/Monat für Kinder bis 16 Jahre
– CHF 250.–/Monat für Kinder bis 25 Jahre noch in Studium oder Ausbildung. Manche Kantone bieten höhere Familienzulagen an als das Bundesgesetz vorsieht, manchmal sind es die Unternehmen, die grosszügiger sind.

Sozialabzüge

AHV / IV / EO-Beiträge: Manchmal werden diese drei Beiträge auf bestimmten Lohnabrechnungen unter dem Begriff AHV zusammengefasst. Der vom Arbeitnehmer geschuldete Anteil beträgt im Jahr 2021 5,3 % des Bruttolohns.

AHV: Alters- und Hinterlassenenversicherung.Wer zahlt Beiträge? Personen, die in der Schweiz arbeiten, ab 1. Januar im Folgejahr nach Vollendung des 17. Altersjahres bis zum Rentenalter. Dies ist die 1. Säule, deren Hauptziel es ist, den Einkommensverlust nach Beendigung der Erwerbstätigkeit auszugleichen. Im Ernstfall gibt es hier die verschiedenen Rentenangebote der AHV:
– eine Rente bei Pensionierung
– eine Invalidenrente bei Invalidität
– eine an den überlebenden Ehegatten gezahlte Hinterbliebenenrente
– eine Waisenrente an Kinder beim Tod eines Elternteils

IV: Invalidenversicherung. Ziel: Finanzierung aller Massnahmen, die es Arbeitnehmern, die sich in einer Situation einer Behinderung befinden, ermöglichen, dank der Zahlung einer Rente zu leben oder sich wieder ins Erwerbsleben einzugliedern. Der Beitragssatz wird durch Bundesgesetz festgelegt und gilt für alle Arbeitnehmer.

EO (Erwerbsersatzordnung): Militär-/Mutterschaftsgeld bei Erwerbsausfall. Die EO ersetzt den Erwerbsausfall bei Militärdienst oder Mutterschaft. Neuerdings deckt der Verdienstausfall auch den Vaterschaftsurlaub ab. Der Beitragssatz wird vom Bund festgelegt und ist für alle gleich. Seit Juli 2021 wird im Rahmen des Verdienstausfallgeldes ein neuer Zuschuss gewährt, dieser heisst «Betreuungsentschädigung» und soll Situationen abdecken, in denen Menschen freinehmen müssen, weil ihr Kind schwer erkrankt ist.

ALV-Beiträge: Arbeitslosenversicherung. Zur Finanzierung der Arbeitslosigkeit vorgesehen. Der Beitragssatz wird vom Bund festgelegt. Der Satz wird auf den versicherten Verdienst angewendet. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils die Hälfte der Beiträge. Im Jahr 2021 beträgt der Arbeitnehmeranteil 1,1 %.

Pensionskasse (2. Säule): Mit diesen Beiträgen finanzieren Sie Ihre 2. Säule. Die zweite Säule schützt Sie vor den Risiken Tod, Invalidität und Alter. Sie ergänzt die 1. Säule mit dem Ziel, im Zeitpunkt der Pensionierung ca. 60 % Ihres letzten Lohnes abzudecken. Von 17 bis 25 Jahren zahlen Sie nur für die Risiken Tod und Invalidität und nach 25 Jahren mehr für die Altersvorsorge. Laut Gesetz muss der Arbeitgeber mindestens den gleichen Betrag wie der Arbeitnehmer einzahlen. Freiwillig kann er auch einen höheren Beitrag leisten. Das Bundesgesetz sieht einen Mindestbeitragssatz vor, der sich nach Ihrem Alter richtet: 25-34 Jahre, 45-54 Jahre und 55-65 Jahre (64 Jahre für Frauen).

Berufs- und Nichtberufsunfallversicherung: Die NBUV ist für alle obligatorisch, die mehr als 8 Stunden/Woche bei einem Arbeitgeber arbeiten. Sie übernimmt die Kosten bei einem Nichtberufsunfall. In der Regel ist dies allein Sache des Arbeitnehmers. Gleichzeitig schliesst Ihr Arbeitgeber eine Berufsunfallversicherung ab, die er zu 100 % übernimmt. Der NBUV-Satz wird von der Betriebsversicherung festgelegt und hängt oft von der Branche ab. Die Berechnungsgrundlage, auf die der Satz angewendet wird, ist der versicherte Lohn.

Krankentaggeldversicherung (KTG): Auf einigen Lohnabrechnungen finden Sie den Abzug «Krankentaggeldversicherung», er ist nicht obligatorisch und soll die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aufrechterhalten. Viele Arbeitgeber schliessen eine Krankentaggeldversicherung ab, um auch bei längerer Abwesenheit den Lohn, mindestens 80 %, weiterzahlen zu können. Die Prämien sind zu mindestens 50 % vom Arbeitgeber zu zahlen. Der Lohn wird bis zur Rückkehr der Person ausbezahlt, maximal jedoch 720 Tage über einen Zeitraum von 900 Tagen. Sie sollten entweder Ihren Arbeitsvertrag oder Ihre Betriebsordnung konsultieren, um herauszufinden, was für Ihr Unternehmen gilt.

Quellensteuern

Sie sollten prüfen, ob Sie der Quellensteuer unterliegen. Das hängt von Ihrer Arbeitsbewilligung und Ihrem Arbeitskanton ab. Wenn Sie der Quellensteuer unterliegen, wird diese monatlich von Ihrem Lohn abgezogen. Wenn Sie quellensteuerpflichtig sind, Ihnen aber nichts abgezogen wird, ist es unbedingt erforderlich, Ihren Arbeitgeber zu kontaktieren und ihn über seinen Fehler zu informieren, da Ihre Schulden wachsen und Sie früher oder später alle geschuldeten Leistungen zurückerstatten müssen.

Was ist, wenn Ihr Arbeitgeber den Lohn nicht zahlt?

Zunächst empfehlen wir Ihnen, in einer solchen Situation sich so schnell wie möglich mit uns in Verbindung zu setzen, damit wir Sie in die richtige Richtung weisen können. In einer schematischen Zusammenfassung beraten wir Sie in folgender Reihenfolge: 1. Setzen Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber in Verbindung und besprechen Sie mit ihm, ob es eine vernünftige Erklärung für die Verzögerung gibt (z. B.: Bankverzug, Buchhaltungsfehler). Wir weisen darauf hin, dass gemäss OR der Lohn spätestens zum Monatsende zu zahlen ist, sofern nicht vertraglich eine andere Frist vereinbart wurde. 2. Mahnung. «Ich bitte Sie, mir den fälligen Lohn zu zahlen (…).» Wir werden Ihnen einen Brief schreiben, den wir Ihnen zusenden, damit Sie ihn per Einschreiben an Ihren Arbeitgeber schicken können, mit der Bitte, Ihnen Ihren Lohn zu zahlen. 3. Zahlt Ihr Arbeitgeber nicht innerhalb der gesetzten Frist, leiten wir die Akte an die CAP Rechtsschutzversicherung weiter, damit die dort tätigen Rechtsanwälte eine Lösung vorschlagen können, die voraussichtlich in einer Lohnzahlungsklage besteht.

Kann ich die Arbeit verweigern, wenn mein Lohn nicht gezahlt wird? Treffen Sie diese Entscheidung nicht ohne Rücksprache mit uns. Die Antwort ist von Fall zu Fall unterschiedlich und selbst wenn es sich um ein Recht des Arbeitnehmers handelt, kann es schwerwiegende Folgen für die Zukunft haben. Am wahrscheinlichsten sind die Entlassung oder auch mögliche Sanktionen durch die Arbeitslosenkasse (Einstelltage).

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Wir haben oben von dem Fall gesprochen, dass der Arbeitgeber eine Krankentaggeldversicherung abschliesst, um Krankheitsrisiken abzudecken, aber denken Sie daran, dass dies keineswegs obligatorisch ist. Fehlt eine solche Versicherung, so hat der Arbeitgeber im Krankheitsfall befristet den vollen Lohn zu zahlen. Im ersten Dienstjahr mindestens 3 Wochen und danach muss die Dauer entsprechend der Dauer des Arbeitsverhältnisses und den Umständen angemessen festgelegt werden. Als Massstab dienen in der Regel die Skalen von Bern, Basel und Zürich. Ihre Anwendung hängt von Ihrem Arbeitskanton ab. (Sarah Amat)