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Gabriel Périsset besteigt die Kabine seines Lastwagens. Er hat das Glück, aus seiner Leidenschaft einen Beruf gemacht zu haben.

Aus seiner Leidenschaft einen Beruf machen

Solange sich Gabriel Périsset zurückzuerinnern vermag, wollte er immer Chauffeur werden. Zurzeit steht er in seinem dritten Lehrjahr als Lastwagenchauffeur mit EFZ bei Gétaz-Miauton in Villeneuve (VD).

«Meine Mutter erzählte mir, dass ich schon im Alter von sechs Monaten in einem Lastwagen war», erzählt uns Gabriel Périsset, mit dem wir uns, am Tag unserer Reportage, in der Filiale von Gétaz-Miauton in St-Légier (VD), oberhalb Vevey (VD), trafen. Diese Frühreife erklärt sich mit dem Umstand, dass sowohl sein Vater, sein Schwiegervater als auch seine Mutter den Beruf des Lastwagenchauffeurs ausübten. Der Grund, weshalb seine Mutter heute nicht mehr selber am Steuer sitzt, liegt darin, dass sie den Posten als Sekretärin in der Routiers Suisses Sektion Dent du Midi bekleidet. Es erstaunt deshalb nicht, dass Gabriel Périsset eine Berufsrichtung wählte, die mit Lastwagen zu tun hat.

«Ich begann eine Lehre als Lastwagenmechaniker, die ich allerdings im zweiten Lehrjahr abbrach, um mit einer Lastwagenchauffeur-Lehre mit EFZ zu beginnen. Was ich über alles liebe, ist das Lastwagenfahren, und so habe ich eben heute das Glück, aus meiner Leidenschaft einen Beruf gemacht zu haben», vertraut er uns mit einem glücklichen Lächeln an. Gabriel Périsset bereut es nicht, den Chauffeur dem Mechaniker vorgezogen zu haben: «Ich gewann an Selbstständigkeit und Verantwortung und habe zugleich das Privileg, praktisch jeden Tag schöne Landschaften zu entdecken.»

Dieser Beweis wurde anlässlich unserer Reportage erbracht: Die herrliche Aussicht auf den Genfersee auf der Talfahrt nach Blonay, wo Gabriel Edelstahlrohre abzuliefern hatte, ist schlichtweg umwerfend. Was die Selbstständigkeit und Verantwortung anbelangt, zeigte uns die nächste Lieferung. Unser junger Chauffeur musste in Vevey sechs Tonnen Gusseisenrohre abholen, die es nach etwas oberhalb von Châtel-St-Denis (FR) zu liefern galt, auf einer Höhe von 1011 m ü. M., in den Skigebieten Pléaïdes (VD) und Les Paccots (FR).

Der Ort, wo es die Gusseisenrohre abzuladen galt, befindet sich bei einer Wasserfassung im Wald. Das sehr schmale Zufahrtssträsschen ist eher für kleinere Fahrzeuge als für grosse und schwere Motorwagen gedacht. Trotzdem bewältigte Gabriel Périsset die Strecke mit Bravour. «Ich habe nicht den Eindruck, etwas Aussergewöhnliches geleistet zu haben. Aber es stimmt, wenn ich mit einigen meiner Bekannten diskutiere, höre ich immer wieder, dass sie es nie schaffen würden, auf so engem Raum zu manövrieren, und dies erst noch in einem Pw, geschweige denn in einem Truck», meint Gabriel scherzend, der ohne Zweifel mit einer besonderen Begabung ausgerüstet ist, um mit einem solchen Ungetüm auf so engem Raum zu manövrieren. Dies erst noch an Orten, die nur schwer zugänglich sind und vom Fahrer etliches abverlangen. «Was das anbelangt, erinnere ich mich, dass mir einmal ein Passant spontan applaudierte, als es mir gelang, mich durch eine äusserst schmale Durchfahrt zu quetschen. Tatsächlich musste ich die Federung meines Trucks auf ein Maximum anheben, um an den Geranien schadlos vorbeizukommen», erzählt uns der junge Chauffeur, nachdem wir vom Ablad der Gusseisenrohre zurückgekehrt waren.

Herausforderungen meistern

Der nächste Auftrag führt Gabriel Périsset zu Gétaz-Miauton in Aigle (VD). Dort lädt er Holzplatten und Leimsäcke, die zu einem Chalet in Villars (VD) transportiert werden müssen. Auf der Strasse von Ollon (VD) nach Chesières (VD), kurz vor Villars, ist der Ausblick auf die Dents du Midi atemberaubend. Gabriel Périsset lässt sich allerdings nicht durch das Panorama ablenken. Die Verantwortung, die ein Chauffeur trägt, verlangt eine ständige und volle Konzentration, unabhängig, ob dies nun auf einem schmalen Waldweg oder einem Zufahrtssträsschen zu einem Chalet in Villars ist. «Ich liebe solche Herausforderungen. Was mir gar nicht liegt, sind Fahrten im Stossverkehr in Genf. Die Staus mit den Velos und Scootern, die sich zwischen den Autos und Camions durchschlängeln. Da ziehe ich die Fahrten in unseren Bergen bei Weitem vor», sagt er und meint abschliessend: «Wenn Sie erlauben, möchte ich noch drei Personen Dankeschön sagen: meinem Chef, Jean-Bernard Epiney, für das Vertrauen, das er mir entgegenbringt. Meinem Ausbilder, Guillaume Viel und meiner Kollegin Marlène Baumgartner, die mir sehr viel beigebracht haben. Sie haben mir zum Beispiel gezeigt, wie man gut mit dem Kran oder der Palettengabel umgeht.» Erlaubnis hiermit erteilt! (Laurent Missbauer)

Der Chauffeur

Geboren am 28. Februar 2001 in Aigle (VD), wohnt Gabriel Périsset heute in Vionnaz (VS). Er ist seit jeher von Lastwagen begeistert, was angesichts der Berufsausrichtung seines Vater, seiner Mutter und seines Schwiegervaters, alles Berufschauffeure, nicht erstaunt. Was er allem andern vorzieht, ist Lastwagenfahren. So hat er denn auch seine Lehre als Lastwagenmechaniker im zweiten Lehrjahr abgebrochen und eine Lehre als Lastwagenchauffeur EFZ bei Gétaz-Miauton in Villeneuve (VD) begonnen. Zur Zeit befindet er sich im dritten Lehrjahr. (L. M.)

Der Arbeitgeber

Die Firma Gétaz-Miauton ist auf Baumaterialen spezialisiert. Sie bedient sowohl Privat- als auch gewerbliche Kundschaft mit sämtlichen Materialien für den Rohbau (Hochbau, Tiefbau, Holz …) sowie für den Innenausbau (Fliesen, Bäder, Küchen …). In 26 Verkaufsstellen und neun Ausstellungen beschäftigt sie 900 Personen in der Westschweiz. Der Standort Villeneuve (VD) verfügt über rund zehn Lastwagen, darunter derjenige unseres jungen Chauffeurs Gabriel Périsset, Lastwagenchauffeur-Lehrling mit EFZ. (L. M.)

Ein glücklicher Chauffeur: Sein Lächeln sagt mehr als tausend Worte.
Die beiden Damen sind ein Geschenk eines Chauffeurs, der in Rente ging.
Eine abwechslungsreiche Tätigkeit: Gabriel Périsset überwacht das Beladen.
In Villeneuve: Die Gusseisenrohre, mit denen der Lkw von Gabriel Périsset beladen wird, sind für eine neue Wasserleitung auf einer Höhe von über 1000 m ü. M. bestimmt und wiegen neun Tonnen.
Eine letzte Kontrolle: Handelt es sich bei den Rohren auch wirklich um diejenigen auf dem Lieferschein?
Eines der schmalen Strässchen, wo «unser» junger Chauffeur bravourös manövrierte.
Am Ziel angekommen: Gabriel Périsset fährt die Stabilisatorstützen aus.
Gabriel Périsset besteigt die Kabine seines Lastwagens. Er hat das Glück, aus seiner Leidenschaft einen Beruf gemacht zu haben.